Sieben Zwerge und die Zitronenjette

Handys aus – und Licht an für die sieben Zwerge auf der Bühne des Ernst Deutsch Theaters in Hamburg. Im jungen Publikum sitzen im Rang links auf Einladung von Vattenfall am Sonnabend vor dem dritten Advent auch 30 Kinder aus der Ukraine, aus Albanien, der Elfenbeinküste, aus Indien, Montenegro, Nord-Mazedonien. Erst wenige Wochen oder Monate in Deutschland, müssen sie Deutsch erst noch lernen. Vom Zauber des Märchens „Schneewittchen“ waren sie gleichwohl schnell erfasst, ähnliche Märchenmotive kannten sie aus ihrer Heimat und so zeigte sich einmal mehr die völkerverbindende Kraft der Kunst, des Theaters, speziell des Märchens. 

Der gemeinsame Theaterbesuch der Oberschule (OBS) im Seevetal und des Gymnasiums Meckelfeld , organisiert von der Lehrerin Jutta Katharina Werner und ihrem Kollegen Markus Kammermeier, ist Teil der Kooperation der beiden Schulformen, die im Schulzentrum am Appenstedter Weg seit der wachsenden Zahl ukrainischer Schüler mehr denn je im Alltag praktiziert wird und in Zukunft noch stärker ausgebaut werden soll. Um Kräfte zu bündeln in der herausfordernden Zeit. Und da ist Lea Völker viel gefragt. Die junge Studienrätin spricht außer Englisch und Französisch auch Russisch und Bosnisch. Auch beim Theaterbesuch war ihre Vielsprachigkeit ein Gewinn, denn sie vermochte so manchen nicht verstandenen Lacher im Märchen später in der Pause zu übersetzen. 

Wer von den Schülern ist schon einmal im Theater gewesen? Tatsächlich war das „Schneewittchen“ für fast alle eine Premiere: Das Foyer, die Garderobe, gepolsterte rote Sitze in Reihen und mit Nummern versehen, der große rote Vorhang, das Bühnenbild, die Pause – weit weg vom Alltag, eine fremde Umgebung, die Staunen machte. Ermöglicht hat das die Vattenfall GmbH, namentlich, Frank Schrödter, Leiter Objektmanagement  Heizkraftwerk Moorburg, der die Seevetaler Schüler am Eingang erwartete und am Ende der zweistündigen Aufführung zudem jeden noch mit einem kleinen Geschenk überraschte. Auch für die beiden ukrainischen Mütter – darunter die Lehrerin Halina Heraschenko, die nachmittags an der OBS in einem Malkursus assistiert– war der Ausflug nach Hamburg in das größte Privattheater Deutschlands eine willkommene Abwechslung gewesen. Vom Theater an der Mundsburg ging es zu Fuß zurück entlang der Alster vorbei am Hotel Atlantik zum Hauptbahnhof und dann per Bahn und Bus nach Seevetal. 

Handys an – ob es das Borchert-Denkmal an der Alster oder die Zitronenjette vor dem Ohnsorg-Theater am Hauptbahnhof war: Nicht nur die Alster mit ihrer bezaubernden Silhouette auch jedes Denkmal auf der drei Kilometer langen Strecke war Objekt der Begierde und Motiv ungezählter Selfies an diesem Tag im Advent am Ende eines besonders für die ukrainischen Kinder dramatischen Jahres. „Die fröhlichen Kinder im Theater zu erleben, hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wofür wir Weihnachten feiern: um anderen ein wenig Freude zu machen“, sagt Schrödter. Spasybi. Faleminderit. Merci. Dhanyavaad. Merci! Hvala. Dankeschön. 

Text und Fotos: e

Bildunterzeilen:

Schüler und Schülerinnen aus der Ukraine, aus Albanien, der Elfenbeinküste, aus Indien, Montenegro, Nord-Mazedonien gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Jutta Katharina Werner (hintere Reihe zweite v. links) und Lea Völker (links) kurz vor Beginn der Theateraufführung.